FRÜHES SPRACHENLERNEN

EU Initiativen zum frühen Sprachenlernen


Frühes Sprachenlernen hat unmittelbare positive Auswirkungen auf die geistige und persönliche Entwicklung von Kindern. Wird ein Kind bereits frühzeitig, am besten vor dem zwölften Lebensjahr, an andere Sprachen herangeführt, lernt es Fremdsprachen meist schneller, entwickelt bessere sprachliche Fähigkeiten in der Muttersprache und wird auch in anderen Lernbereichen bessere Leistungen erzielen.

Daher haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union im März 2002 gefordert, dass „bereits von Kindheit an mindestens zwei Fremdsprachen unterrichtet werden sollen“.

Das frühzeitige Sprachenlernen findet dabei entweder innerhalb mehrsprachiger Familien oder als Teil der vorschulischen Erziehung statt. Zu den langfristigen positiven Wirkungen gehören:

1. ein ununterbrochener und andauernder Sprachunterricht
2. spätere Vorteile auf dem Arbeitsmarkt
3. ein größeres Selbstbewusstsein
4. ein besseres Wissen über und ein größeres Verständnis für andere Kulturen

Allerdings werden durch einen frühzeitigen Beginn mit dem Sprachenlernen nicht automatisch bessere Ergebnisse erzielt. Der frühe Spracherwerb muss mithilfe wirksamer Lehrmethoden erfolgen, die das Hörverständnis und die Sprechfähigkeiten des Kindes gleichermaßen fördern und von entsprechend ausgebildeten Lehrkräften angewendet werden. Ebenso wichtig für den Erfolg sind kleine Klassen, adäquate Lehrmittel sowie Methoden, die den Spaß am Sprachenlernen betonen.

Siehe auch unsere Studie "Die wichtigsten pädagogischen Grundsätze für die fremdsprachliche Früherziehung – Volltext" (pdf, 1,2 MB) aus dem Jahr 2007


EU-Sprachenpolitik

Sprachen 2010

Die Rolle von Sprachen innerhalb der Lissabonstrategie


Im Jahr 2000 setzte sich die Europäische Union das Ziel, sich bis 2010 zum wettbewerbfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu entwickeln. Das bedeutet, neben einem größeren sozialen Zusammenhalt gleichzeitig auch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen zu schaffen. Das Programm, mit dem diese Ziele erreicht werden sollen, ist als Lissabonstrategie bekannt.

Bildungspolitik muss dabei eine wichtige Rolle spielen, und das Erlernen von Sprachen ist in dieser Hinsicht von entscheidender Bedeutung.

Die Bildungsminister der EU-Mitgliedsstaaten haben sich auf drei Hauptziele geeinigt, die bis zum Jahr 2010 zur Unterstützung der Lissabonstrategie erreicht werden sollen:

1. die Verbesserung der Qualität und Wirksamkeit von Bildungs- und Ausbildungssystemen in der Europäischen Union
2. ein leichterer Zugang zur allgemeinen und beruflichen Bildung für alle
3. die Öffnung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung gegenüber der Welt


Ehrgeizige Ziele für 2010

Das Programm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ umfasst eine Vielzahl von Themenbereichen und enthält die gemeinsamen Zielsetzungen der EU-Mitgliedsstaaten für 2010 einschließlich Vorgaben hinsichtlich der Bereiche Vielfalt und Zusammenarbeit. Weiterhin ist in dem Programm festgelegt, wie diese Ziele erreicht werden sollen – nämlich durch die offene Methode der Koordinierung, bei der die Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten und ihre Fortschritte anhand gemeinsamer Vergleichsgrößen gemessen werden.

Schließlich schreibt das Programm 13 klare Ziele vor:

1. eine verbesserte Ausbildung und Weiterbildung für Lehrer und Ausbilder
2. den Erwerb von für die Wissensgesellschaft notwendigen Grundfertigkeiten
3. den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für jeden
4. die Förderung des Nachwuchses im Bereich der naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge
5. die bestmögliche Nutzung von Ressourcen
6. die Schaffung eines offenen Lernumfelds
7. das Lernen attraktiver zu gestalten
8. die Förderung von aktivem Bürgersinn, gleichen Chancen und sozialem Zusammenhalt
9. die Stärkung der Kontakte zur Arbeitswelt und Forschung sowie zur Gesellschaft im weiteren Sinne
10. die Entwicklung von Unternehmergeist
11. die Verbesserung des Fremdsprachenunterrichts
12. mehr Mobilität und Austausch
13. die Stärkung der europäischen Zusammenarbeit

Die den Fremdsprachenerwerb betreffenden Vorgaben bilden einen Teil des generellen Ziels, die allgemeine und berufliche Bildung gegenüber der Welt zu öffnen. Das Leitprinzip der EU ist es, dass jeder Mensch zusätzlich zu seiner Muttersprache noch zwei Fremdsprachen beherrschen sollte.

Im Programm „Allgemeine und berufliche Bildung 2010“ sind Maßstäbe zur Bewertung der Fortschritte der Mitgliedsstaaten festgelegt. Darüber hinaus sind drei Bereiche hervorgehoben, die vom Erfahrungsaustausch besonders profitieren:

1. die Methoden und Wege der Fremdsprachenvermittlung
2. das frühe Fremdsprachenlernen
3. die Möglichkeiten, den Erwerb und die Anwendung von Fremdsprachen zu fördern


EU-Initiativen zur Unterstützung der fremdsprachlichen Früherziehung

Der Aktionsplan der Europäischen Kommission für Sprachenlernen und Sprachenvielfalt (Abschnitt 1 1.1) besagt:

„Für die Mitgliedsstaaten ist es vorrangig, sicherzustellen, dass das Sprachenlernen schon im Kindergarten und in der Grundschule wirksam wird, denn bereits hier werden die entscheidenden Einstellungen gegenüber anderen Sprachen und Kulturen ausgebildet und die Fundamente für den späteren Fremdsprachenerwerb gelegt. [...] Schüler, die früh mit dem Lernen beginnen, werden sich ihrer eigenen kulturellen Werte und Einflüsse bewusst und lernen andere Kulturen schätzen, werden anderen gegenüber offener und interessierter. [...] Eltern und Lehrpersonal benötigen bessere Informationen über die Vorteile des frühen Lernbeginns.“

Dies stellt heute einen der Schlüsselbereiche für Maßnahmen in den einzelnen Bildungssystemen und der Unterrichtspraxis dar, wie sie in der Rahmenstrategie für Mehrsprachigkeit (Abschnitt II.1.3) dargelegt werden:

„In den meisten Ländern lernt heute mindestens die Hälfte aller Volks- bzw. Grundschüler/innen eine Fremdsprache. Die Kommission hat jedoch bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass der frühe Fremdsprachenerwerb nur dann Vorteile bringt, wenn die Lehrkräfte eigens für den Unterricht für sehr kleine Kinder ausgebildet sind, die Klassengrößen klein genug sind, entsprechendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung steht und für den Sprachunterricht eine ausreichende Stundenzahl vorgesehen ist.“

Das EU-Comenius-Programm für die schulische Ausbildung bietet Chancen und Fördermöglichkeiten für Sprachlehrer im Grundschulbereich, die durch Arbeit im Ausland Erfahrung sammeln möchten.


Pädagogische Prinzipien

Im Jahr 2004 gab die EU eine Analyse der Forschungsveröffentlichungen, guten Praxis und zentralen pädagogischen Prinzipien der fremdsprachlichen Früherziehung in Auftrag. Der die Ergebnisse zusammenfassende Bericht Die wichtigsten pädagogischen Grundsätze für die fremdsprachliche Früherziehung besagt, dass ein früher Lernbeginn Kindern bedeutende Vorteile verschafft, da so ihre natürlichen Spracherwerbsmechanismen aktiviert werden, sie eine insgesamt längere Lernzeit gewinnen und ihnen eine linguistische und interkulturelle Erfahrung geboten wird, die einen positiven und prägenden Einfluss auf ihre kognitive, soziale, kulturelle, akustische, sprachliche und persönliche Entwicklung (einschließlich solcher Qualitäten wie Ausdauer und aktiver Teilnahme) und auf ihr Selbstbewusstsein haben kann.